Wenn Romanfiguren Schritte hören ...
Eigentlich wollte ich heute ja über den Fortschritt meines
letzten Bands der Antiquerra-Saga berichten, aber bevor ich beginnen konnte,
bekam ich unerwarteten Besuch. Drei Protagonisten der Reihe kamen in meine
Schreibstube ― Finley, der Lichtmagier, sowie seine Freunde, die Vampire Luczin
und Briann. Ich dachte mir gleich, dass da etwas Besonderes dahinter steckte.
„Ist etwas passiert?“, fragte ich deshalb und stellte den
dreien Stühle bereit.
Während sich alle setzten, machte sich Luczin zum Sprecher.
„Könnte man so sagen, liebste Autorin …“
„Aber du weißt bestimmt schon, was geschehen ist!“, warf
Finley ungeduldig ein.
Ja, das wusste ich. Finley, Luczin und Briann spielten im letzten Band der Antiquerra-Saga:
„Lichtkrieger“ auch wieder eine wichtige Rolle und ich hatte bereits begonnen,
an ihrem Handlungsstrang zu schreiben. Von daher wusste ich natürlich, dass
etwas vorgefallen war, aber ich blieb dennoch erst einmal vorsichtig.
„Was ist denn geschehen?“, fragte ich.
„Na, diese seltsame Sache mit dem Buch und …“, erwiderte
Finley.
Briann legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Lass mich das
klären!“ Er wandte sich an mich. „Die Natur dessen, was wir erlebt haben, ist
eigentlich erst einmal Nebensache, aber gestern Abend hatten wir eine Diskussion
darüber, wie unsere Erlebnisse zustande kommen.“ Er sah mich durchdringend an. “Es
ist schon seltsam, dass wir immer dann vor besonderen Herausforderungen stehen,
wenn du über Antiquerra schreibst!“
Ich stutzte. „Wie meinst du das?“
Luczin mischte sich ein. Er beugte sich zu mir vor. „Wenn du
über Antiquerra schreibst, sind bei uns deine Schritte zu hören, das hab ich
dir schon einmal erzählt. Es ist, als ob du neben uns herumrennst. Uns ist
jetzt aufgefallen, dass immer dann, wenn wir dich hören, irgendetwas passiert,
das uns zum Handeln zwingt. Wir fragen uns deshalb, ob du ― natürlich ohne das
zu beabsichtigen ― der Auslöser von all den Problemen bist, die uns in
Antiquerra zu schaffen machen.
Das musste ja mal kommen!, dachte ich und lächelte
die drei an. „Also ich glaube nicht, dass ich an euren Problemen schuld bin!“
Ich überlegte … Herrje, ich konnte den dreien ja nicht sagen, dass sie meine
Geschöpfe waren! Meine Romanfiguren … Mittlerweile hatte jeder von ihnen längst
sein Eigenleben und Luczin, Briann und Finley empfanden sich garantiert als
real lebende Wesen! Schließlich verhielten sie sich auch so … Ich seufzte. „Ich schreibe eure
Geschichte nur auf.“
„Hm“, Briann sah mich noch immer forschend an. „Wie erklärst
du dir dann, dass wir immer kurz bevor etwas passiert, deine Schritte hören?“
„Hm“, brummte ich nun auch und legte einen Finger an meine
Nase, um besser nachdenken zu können. Dann fiel mir etwas ein, das Luczin,
Briann und Finley vielleicht als Erklärung akzeptieren konnten. „Möglicherweise
bin ich so eine Art Omen für euch“, sagte ich. „Antiquerra ist schließlich
magisch und ihr habt magische Fähigkeiten. Deshalb könnte ich mir vorstellen,
dass meine Schritte für euch einfach ein Zeichen sind, dass die Dinge in
Bewegung kommen. Es öffnet euch für das Schicksal, das euch führt.“
Luczin, Brian und Finley sahen sich an, nickten.
Dann wandte sich Briann wieder an mich. „Jetzt wo du das
sagst …“ Er stand auf und gab auch seinen Gefährten einen Wink, dass sie
aufstehen sollten. „Wir müssen zurück, unsere nächsten Aktivitäten vorbereiten!“
Briann, Luczin und Finley verabschiedeten sich, fast ein wenig hastig. Aber unter der
Tür meiner Schreibstube drehte sich Briann noch einmal zu mir um. „Wenn du
zu schreiben beabsichtigst und wir deine Schritte hören ― bist du dann
tatsächlich in Antiquerra, sozusagen als Frau Unsichtbar?“
Ich lächelte ihn an. „Ja. Ich schaue euch zu und schreibe dann
auf, was ihr tut und erlebt …“
Briann nickte, winkte mir noch einmal zu und wenig später war ich wieder allein. Ich dachte an Band 5 derAntiquerra-Saga, der diese Woche nicht ganz so schnell vorangeschritten war,
wie ich es mir erhofft hatte. Ob es daran lag, dass ich derzeit über Ereignisse
schrieb, die hinter den Nebeln von Antiquerra stattfanden? Nein, wohl eher
nicht. Es geht immer mal schneller und mal langsamer voran. Aber Hauptsache, es
stockt nicht …